Chronik des Seehotels "Post" in Walchensee
Bereits im Jahre 1120 wird eine am Walchensee gelegene „Herberge mit Schiffhütte“ erwähnt. Später erhält sie die Bezeichnung „Zum Wirt“ und wird um 1500 zur „Taverne“ erhoben. Diese Erhebung hängt zusammen mit dem Bau der alten Kesselbergstraße von 1492 bis 1497. In der damaligen Zeit fungierte diese Unterkunft in erster Linie als Stützpunkt und Herberge für Rompilger, Handelsleute und Wanderer. Im Winter, wenn Lawinen den Saumpfad am Seeufer, also die heutige Bundesstraße 11, verschütteten, mussten die Reisenden vom Wirt über den See nach Urfeld gerudert werden.
Als 1494 die Herberge zur Taverne ausgebaut wurde, geschah dies im Auftrag der Grundherrschaft, dem Kloster Benediktbeuern. Dort befinden sich auch heute noch die genauen Aufzeichnungen darüber, zu welchen Leistungen die Wirte gegenüber der Grundherrschaft verpflichtet waren. Außer großen Verpflegungsleistungen lasteten auf dem Wirt noch die Mai- und Herbststeuer. Diese Abgabenordnung galt einige Jahrhunderte lang. Mehrfach wurden die Gebäude in diesem Zeitraum erweitert und umgebaut.
Aufgrund der vielen Besitzwechsel wurde die Taverne jedoch immer wieder baufällig. So verlangte das Kloster bei der Verstiftung der Gaststätte 1597 an Caspar Panerädl, die Taverne mit Stadel und Stallung neu aufzubauen. Dieser Forderung kam Caspar Panerädl 1602 auch nach. Der im Eingangsbereich eingemauerte Grundstein aus dem Jahr 1602 ist Zeugnis dafür. Frei übersetzt lautet der Text auf dem Stein: „Im Jahre 1602 ließ Caspar Panerädl diese Taverne am Walchensee von neuem erbauen.“
Im 16. Jahrhundert sowie Anfang des 17. Jahrhunderts verdiente der Wirt hauptsächlich an der Bewirtung der Herzöge und Fürsten samt ihrem Gefolge, die alljährlich in diesem Gebiet hier auf die Jagd gingen. So heißt auch heute noch der Berg zwischen Kochel- und Walchensee „Herzogstand“.
In der Nische neben dem Gaststätteneingang befand sich in den vergangenen Jahrhunderten eine Marienstatue mit Opferkasten, dessen Erträge der benachbarten, im Jahre 1291 geweihten St.-Jakobs-Kirche zufielen.
Während der Pestjahre kam der Reise- und Pilgerverkehrs zum Erliegen und auch die Truppendurchzüge während des Dreißigjährigen Krieges gingen nicht spurlos an der Taverne vorüber. So musste der Besitzer Simon Hundsberger 1662 aufgrund von Schulden verkaufen.
Ab 1691 fungierte die Taverne als Poststation. Der Wirt wurde damit zum Posthalter des Taxis´schen Postamt in München bestellt und für seine Bemühungen jährlich mit 100 Gulden entlohnt. Die Posthalterei entwickelte sich in diesen Jahren zum einträglichsten und sichersten Geschäft der Walchensee-Wirte. Die Wirte verfügten über zwei Postchaisen, zwei Rennschlitten sowie Reitsättel für Männer und Frauen. Zum Wechseln und Reiten standen immer sechs Pferde im Stall. Die für den Betrieb erforderliche Schmiede lag bis zur letzten Jahrhundertwende direkt am Seeufer und war mit einer Schiffshütte verbunden. Es handelt sich um den Grundstücksbereich der heutigen Seeterrasse.
Nachdem die Gaststätte 1898 an Franz Leis verkauft wurde, erfuhr der gesamte Komplex im Jahre 1902 eine Neugestaltung. 1948 erfolgten dann nochmals ein Umbau sowie eine Renovierung, sodass von der alten Substanz lediglich noch der Grundstein übrig blieb.
Unter der Familie Pröschl kam es zunächst zu einem erneuten Aufschwung. 1977 wurde das Gebäude jedoch geschlossen.
1978 erwarben Jakob Meyer und Anton Plenk das Haus. Diese bildeten zur Finanzierung eines Neubaus eine Bauherrengemeinschaft und ließen das Gebäude 1980 abreißen. In zwei Bauabschnitten wurde das Hotel in den darauffolgenden Jahren neu errichtet und 1983 bezugsfertig der Bauherrengemeinschaft übergeben. Die Planung des Neubaus mit Bauleitung und Gesamtgestaltung wurde von der Bauherrengemeinschaft den Architekten Michael Holzer und Ulrich Hoiß aus Kochel a. See übertragen.
Die offizielle Eröffnung des neuen Hotels erfolgte am 1. Mai 1984.
In diesem Neubau befinden sich nunmehr 75 modern ausgestattete Ferienappartements, eine Gaststätte, ein Kellerlokal sowie ein Hotelschwimmbad mit Sauna und Fitnessräumen. Weiterhin wurde auch wieder, entsprechend der Tradition des Hauses, eine Postdienststelle errichtet, die sich im Hauptgebäude befindet.
In den folgenden Jahren wurden Anteile des Hotels verkauft.
Die Eigentümer der Wohnungen nutzten diese selbst oder vermieteten an Gäste von nah und fern.
Quellen:
„Kochel a. See“,
Chronik von Hans Demleitner sen.
Privatarchiv Michael Holzer


